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Bushcraft Schweiz Online

Alle Jahre wieder kommt das Christ… OK, hier geht es nicht um die Weihnachten, sondern um das swiss classic biwak und ich bin erst das zweite mal dabei. Diesmal geht es in die Alpen. Die Alpen sind höher als der Jura und das finde ich per se nicht so gut. Ich bin nicht schwindelfrei. Aber es ist keine Klettertour, sondern eine Wanderung (hoffentlich liege ich mit meiner Einschätzung nicht falsch).

Organisation (die haben einmal mehr einen super Job gemacht: Danke!) : https://www.sclassic.ch/strecke_b.htm

Wo: https://www.diemtigtal.ch/ Nicht nur im Diemtigtal. Aber doch so in der Region.

Zu denken gibt mir vor allem die Anzahl an Höhenmetern. Die muss man zuerst mal überwinden. Ob ich das schaffe. Wenn du diese Zeilen liest, ist diese Frage bereits beantwortet. Jetzt wo ich diese Zeilen schreibe, ist es aber noch offen. Jetzt hoffe ich noch auf anständiges Wetter. Es gibt bekanntlich kein schlechtes Wetter, aber jede Menge unpassender Kleidung. Hoffentlich habe ich die richtigen dabei!

Tag Eins

Km: 17.75
Höhenmeter: 1855
Leistungskilometer: 36.35
Zeit geplant: 7 h 30 min
Zeit gebraucht (inkl. Pausen): 7 h 40 min

Wie so manche Reise beginnt auch diese an einem Bahnhof. In Oey geht es zum Start beim Schulhaus und dann ab in die Berge. Und das heisst viele Höhenmeter überwinden. Das mache ich aber nicht alleine. Gleich nach dem Start gesellt sich Lorenz zu mir und wir gehen die vier Tage zusammen in Angriff. Geht man so eine Tour alleine an, hat man oft schnell Kontakt. Das gemeinsame viertägige Schicksal scheint zu verbinden. Unterwegs treffen wir noch weitere Leidensgenossen die wir in den nächsten Tagen immer wieder sehen und auch zusammengehen werden. Es gibt aber noch rund 40 weitere Teilnehmer die mit demselben Ziel unterwegs sind. Es geht lange rauf. Rund 1400 Höhenmeter. Dann noch rauf und runter, Berge halt. Landschaftlich gibt es jedoch nichts zu meckern. Einfach nur schön, ich bin beindruckt. Die Natur entschädigt für jeden tropfen Schweiss. Ohne Fleiss kein Preis. Der Spruch scheint sich einmal mehr zu bewahrheiten. Am Abend, nach Ankunft im Biwak, heisst es Alles bereit machen zum schlafen und Essen. Das geht recht zügig, Tarp aufstellen, Iso-Matte aufblasen, Schlafsack auspacken, fertig. Zum Essen gibt es teure Fertignahrung. Die bekommt mir aber nicht so gut. Keine Ahnung weshalb.
Einige Teilnehmer überschätzen sich, oder unterschätzen die Strecke. Sie kommen sehr spät oder überhaupt nicht aus eigener Kraft zum Tagesziel. Man sollte die Höhenmeter nicht unterschätzen. Die Strecke kann von einem Durchschnitzwanderer durchaus gelaufen werden. Aber die über 1800 Höhenmeter müssen zuerst überwunden werden.

Bahnhof in Oey. Los gehts!

Blick Richtung Thunersee.

Impressionen von unterwegs.

Tag Zwei

Km: 18.94
Höhenmeter: 1237
Leistungskilometer: 31.34
Zeit geplant: 6 h 20 min
Zeit gebraucht (inkl. Pausen): 9 h 10 min

Die Nacht war etwas unruhig. Keine Ahnung warum. Dennoch habe ich genügend geschlafen. Ich bin erholt und bereit für den nächsten Tag. Frühstücken, Zähneputzen und alles zusammenräumen. Das war es bereits mit dem ersten Biwak und wir gehen los. Zuerst geht es gleich auf den nächsten Berg. Von unten kann ich zwar keinen Weg erkennen. Aber es gibt einen und eigentlich sogar einen ganz guten. Landschaftlich ist es wieder Top und der Seebergsee ist ein Höhepunkt des Tages. Es sind zwar weniger Kilometer und auch weniger Höhenmeter, aber dennoch ist die Strecke nicht ganz ohne. Zum Schluss geht es noch ein rechtes Stück hoch und es wird wie länger, wie steiler. Aber auch das bringen wir hinter uns. Zum Schluss sind wir wieder auf einem schönen Biwak- Platz mit sehr schönem Platz fürs abendliche Feuer zwischen den Steinbrocken. Der Tag wird etwas von Magenproblemen überschattet. Nicht optimal, aber auch nicht so Schlimm. Die schöne Natur entschädigt für vieles.

Der Seebergsee auf 1831 müM. Schon fast kitschig!

Weggefährten auf dem Weg.

Die Alpen hier erinnern an die Dolomiten. Kalkstein hier wie dort.

So schlafe ich. Ich bleibe trocken und warm. Alles bestens. Warum ein Tarp? Ich mag es, wenn ich nachts aufwache, die Sterne zu sehen. Und zudem ist das recht leicht. Schon fast „ultra-leicht“.

So schlafen die „anderen“. jedem das seine.

Tag Drei

Km: 9.33
Höhenmeter: 967
Leistungskilometer: 18.93
Zeit geplant: 4 h
Zeit gebraucht (inkl. Pausen): 6 h

Der Dritte Tag beginnt gleich mit einem Anstieg. Da weiss man gleich woran man ist. Für unterwegs gab es noch etwas Verpflegung. Brot, Banane, Riegel und Servela. Eine Servela kalt? OK, es gibt schlimmeres, definitiv. Meine Wegbegleiter haben wohl das selbe gedacht und entschieden ein Feuer zu machen. Das war eine super Idee. Eine Servela vom Feuer. So gut hat mir eine Servela schon lange nicht mehr geschmeckt. Einfach super! Der liebe Leser merkt, ich bin mit wenig zufrieden. Heute steht der höchste Punkt der ganzen Tour auf dem Programm. Aber zuvor müssen wir noch ein Bachbett mit steilen Flanken durchqueren. Ungeschickterweise sind wir falsch gelaufen und nun eben nicht auf dem Weg sondern auf der falschen Seite des Bachbettes. Aber gemeinsam meistern wir auch das. Dann geht es weiter hoch. Ein langer Aufstieg. Nach vielen Schweisstropfen und einigen kurzen Stopps stehe ich aber auf dem Fruggeli (2387 m). Geschafft. Dann geht es auf der anderen Seite runter zum Biwakplatz. Ein steiler Abstieg, aber durchaus zu meistern. Ankunft. Ich wasche mich in einem Bach und ziehe drunter gleich meine Schlafkleidung (lange Unterwäsche unten und oben und frische Socken) an. Auch heute gibt es wieder Feuer am Abend. Das Wetter ist nicht so top. Es gibt sogar ein paar Regentropfen und Nebel. Im Grossen und Ganzen geht es aber und ich bleibe trocken. Schlafen tue ich gut. Viele Klagen wegen der Kälte. Mein Grüzi Bäg hält mich aber warm.

Aufstieg zum Fruggeli (2387 m)

Tag Vier

Km: 16.2
Höhenmeter: 742
Leistungskilometer: 23.6
Zeit geplant: 4 h 45 min
Zeit gebraucht (inkl. Pausen): 5 h 45 min

Der letzte Tag startet mit besserem Wetter als erwartet. Das Frühstück sparen wir uns, denn wir wollen unterwegs einen Kaffee trinken gehen und etwas Essen. Aber zuerst geht es noch runter. Zum Teil recht steil. Oben stand «guter Weg». Ich frage mich wie wohl der schlechte Weg aussieht, wenn das der gute sein soll. Aber egal, Hauptsache gesund und ganz unten ankommen. Das tönt jetzt dramatischer als es ist. Es war trocken und somit auch nicht rutschig und gefährlich. Dann gibt es eben Kaffee und Nussgipfel. Von da an geht es Richtung Lenk – Simmenfälle. Es gibt noch ein paar Höhenmeter zu bezwingen, aber das sind wir ja nun gewohnt. Was auffällt. Wie näher wir unserem Ziel kommen, desto mehr Wanderer, Sessellifte und generell mehr Infrastruktur für uns Menschen. Ich möchte das nicht kommentieren, aber nachdenklich macht es schon. Die Landschaft ist jedoch auch hier top.

Gestern durfte ich hier runter laufen.

Es sieht fast aus wie in Norwegen. Die Morgensonne macht es möglich!

Zweimal das selbe Bild. Einmal von hoch oben, einmal von weiter unten.

Unterwegs zu den Simmenfällen und zum Ende der Tour.

Fazit: Es ist erledigt! Obwohl ich recht beissen musste und der Magen auch nicht so top war, hat es dennoch spass gemacht und ich denke schon daran wieder mal mitzumachen. Wenn man mich am zweiten Tag gefragt hätte, wäre die Antwort wohl anders ausgefallen (aus Erfahrung wird man klug. Scheint eben nicht immer zu stimmen). Aber es gibt einfach auch sehr viel Positives. Die Landschaft ist atemberaubend, die Bekanntschaften sind ebenfalls sehr angenehm und das Leben draussen, mit so wenig Dingen, hat eben auch seinen Reiz. Was spricht dagegen wieder mal an einem swiss classic biwak mit zu machen?

Du möchtest auch mal mitlaufen oder du bist bereits mitgelaufen? Schreibe mir einen Kommentar. Das würde mich doch interessieren.

Viel (nachhaltigen) Spass in der Natur,
Urs